Telemedizinische Betreuung bei Long-Covid
und anderen postakuten Infektionssyndromen

Telemedizinische Betreuung bei Long-Covid
und anderen postakuten Infektionssyndromen


Long-Covid wird in der Medizin heute meist als Post-Covid-Syndrom bezeichnet.
Da sich der Begriff „Long-Covid” in der allgemeinen Öffentlichkeit bereits eingeprägt hat, werde ich ihn hier weiter verwenden – denn dieser Beitrag soll vor allem Betroffene informieren.
Long-Covid wird in der medizinischen Fachsprache zu den sogenannten postakuten Infektionssyndromen (PAIS) gezählt.

Was ist damit gemeint?

Es geht um eine Gruppe von Symptomen, die Wochen oder Monate nach einer Infektion bestehen bleiben oder neu auftreten. Dazu zählen beispielsweise anhaltende Müdigkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit, Herz-Kreislauf-Probleme und Schmerzen. Wahrscheinlich ist Ihnen einiges oder alles davon bekannt.
Solche Folgeerscheinungen sind in der Medizin nicht grundsätzlich neu: Vergleichbare Verlaufsformen können auch nach anderen Infektionen wie Grippe, Borreliose oder Pfeiffersches Drüsenfieber auftreten.
Auch ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom) gehört zu den postakuten Infektionssyndromen. Es handelt sich jedoch um eine eigenständige Erkrankung mit konkreten Diagnosekriterien.
Durch die Corona-Pandemie ist die Zahl der Menschen, die an Long Covid und anderen PAIS leiden, deutlich gestiegen – und damit der Menschen, die oft mit langfristigen gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen haben. Obwohl viel geforscht wird, konnten die genauen Ursachen und Mechanismen dieser Erkrankungen noch nicht ausreichend geklärt werden.

Warum ist die Erforschung dieses Krankheitsbildes besonders kompliziert?

In vielen Fällen ist nicht nur ein Organgebiet betroffen, sondern gleich mehrere zur selben Zeit.
Deshalb unterscheiden sich die Beschwerden oft in ihrer Ausprägung und im Verlauf.

Wie kann ich mir das genauer vorstellen?

ein Kreis mit einem harmonischen Blumenmuster in der Mitte. Rundherum sind alle wichtigen Organsysteme des menschlichen Körpers angeordnet

Die Organe unseres Körpers arbeiten nicht jedes für sich allein, sondern sind in einem Gesamtsystem durch Regelkreise miteinander verbunden. Erst der Blick auf die vielen beteiligten Teilsysteme lässt erahnen, wie komplex und beeindruckend dieses Zusammenspiel ist.
Gibt es also in einem einzelnen System ein Problem, wirkt es sich je nach Situation mehr oder weniger auch woanders aus. Je länger eine Erkrankung andauert, desto eher werden zusätzliche Gebiete erfasst.
Die Regeneration nach einer Krankheit hängt daher nicht nur von der blanken Menge der verfügbaren Energie und von den „Rohstoffen“ für Reparaturen ab.
Die Verbindungen zwischen den verschiedenen Organsystemen sind dabei genauso wichtig.

Diese Wechselwirkungen sind sehr individuell, da gleichzeitig viele verschiedene Faktoren beteiligt sind. Das beginnt bei der persönlichen genetischen Ausstattung, setzt sich fort im individuellen Lebensstil und reicht bis hin zu den verschiedensten Umwelteinflüssen wie Arbeitsplatz, gesellschaftliche Bedingungen und Klima.

Wie kann ich mir das genauer vorstellen?

Die Organe unseres Körpers arbeiten nicht jedes für sich allein, sondern sind in einem Gesamtsystem durch Regelkreise miteinander verbunden. Erst der Blick auf die vielen beteiligten Teilsysteme lässt erahnen, wie komplex und beeindruckend dieses Zusammenspiel ist.

ein Kreis mit einem harmonischen Blumenmuster in der Mitte. Rundherum sind alle wichtigen Organsysteme des menschlichen Körpers angeordnet

Gibt es in einem einzelnen System ein Problem, wirkt sich das je nach Situation mehr oder weniger auch woanders aus. Je länger eine Erkrankung andauert, desto eher werden zusätzliche Gebiete erfasst.
Die Regeneration nach einer Krankheit hängt also nicht nur von der blanken Menge der verfügbaren Energie und von den „Rohstoffen“ für Reparaturen ab.
Die Verbindungen zwischen den verschiedenen Organsystemen sind dabei genauso wichtig.

Diese Wechselwirkungen sind sehr individuell, da gleichzeitig viele verschiedene Faktoren beteiligt sind. Das beginnt bei der persönlichen genetischen Ausstattung, setzt sich fort im individuellen Lebensstil und reicht bis hin zu den verschiedensten Umwelteinflüssen wie Arbeitsplatz, gesellschaftliche Bedingungen und Klima.

Bis diese vielen Prozesse ausreichend untersucht sind, müssen und sollen wir mit dem arbeiten, was wir bereits haben. Niemand wird abwarten, bis die Ursachen und Einflussfaktoren vollständig erforscht sind.

In der Zwischenzeit kann verknüpftes Denken immerhin eine wertvolle Basis für die ärztliche Behandlung bieten:

  • Welche Organsysteme sind betroffen und wie viele?
  • Wo gibt es Verbindungen und Überlappungen?
  • Welches System hat Priorität?

Je gründlicher und sorgfältiger die einzelnen Bereiche berücksichtigt werden, desto besser lassen sich die Zusammenhänge erkennen. Und desto besser kann die Behandlung angepasst werden. Denn was für einige Menschen gut ist, kann bei anderen nicht hilfreich sein. Der konkrete Behandlungsweg entsteht sozusagen erst beim Gehen. Deshalb ist Umsicht gefragt, um nicht vorschnell falsch abzubiegen.

Zusammengefasst ist der Verlauf von postakuten Infektionssyndromen sehr unterschiedlich:

  • Manche erholen sich relativ rasch und haben nur milde Symptome.
  • Andere langsam, aber kontinuierlich.
  • Manche erleben Rückschläge und später wieder Verbesserungen.
  • Einige können auch Symptome in Richtung ME/CFS entwickeln: Alltagsbelastungen werden dann immer weniger vertragen und können sogar alles verschlimmern. Was die Forschung auch noch nicht sicher beantworten kann: Ist „LongCovid-ME/CFS“ biologisch identisch mit dem bisher bekanntem ME/CFS? Und wie ist überhaupt die Prognose?

Die Tatsache, dass zum derzeitigen Wissensstand der Verlauf nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann, führt natürlich oft zu weiteren Verunsicherungen. Deshalb ist es wichtig, sich bewusst zu machen: Long-Covid ist nicht automatisch statisch. Auch nach 6 oder 12 Monaten sind Verbesserungen immer noch möglich.

Wenn es sich um die sehr ernste und eigenständige Erkrankung ME/CFS handelt und die Diagnose gesichert ist, sind nach heutigem Forschungsstand vollständige Genesungen vergleichsweise selten. Gleichzeitig gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen der Erkrankung. Viele Betroffene erleben Schwankungen ihrer Beschwerden und Belastbarkeit – Verbesserungen sind grundsätzlich möglich. In den medizinischen Leitlinien werden 4 Schweregrade von „mild“ bis „sehr schwer“ unterschieden. Die Bezeichnung „mild” bedeutet in diesem Fall jedoch nicht „harmlos”. Auch milde Verläufe können sehr schwierig sein.
Umso wichtiger ist es, sehr genau auf die Schwankungen – ob nach oben oder unten -zu reagieren und einzugehen.

Die Vorteile von Telemedizin liegen wegen der Ortsungebundenheit auf der Hand.

Die Nachteile ebenfalls, wenn eine persönliche Untersuchung nötig ist.

Was eine telemedizinische Betreuung ausmacht:

Das ärztliche Gespräch ist die Basis jeder Therapie: Gerade bei komplexen Krankheitsbildern braucht es viel Zeit und eine genaue Kommunikation, um die richtigen Schritte zu tun.
Aufgrund der bisherigen Erfahrung ist zu erwarten, dass die Symptome und Beschwerden in ihrer Art und Häufigkeit generell wechseln. Kürzere Behandlungsintervalle sind daher wichtig, um die Therapie entsprechend anzupassen. Hier kann Telemedizin energie- und zeitsparend eingesetzt werden. Vor allem bei der Betreuung von ME/CFS -Patient:innen ist das von zentraler Bedeutung.
Soweit technisch machbar, kann auch mit medizinischen Testkits gearbeitet werden, die speziell für die Anwendung zu Hause entwickelt wurden.( Beispiele: Untersuchung auf Laktoseintoleranz, Speicheltests zur Untersuchung des Cortisolspiegels etc.).
Telemedizin kann also vieles an Kraft – und Zeitaufwand abfedern.
Die medizinische Versorgung wird jedoch am besten funktionieren, wenn eine Zusammenarbeit zwischen Telemediziner:innen und Hausärzt:innen gelingt.
Es profitieren alle – Patient:innen, Ärzt:innen und das Gesundheitssystem:

  • Diagnosen und Behandlungen werden beschleunigt.
  • Die fachärztliche Therapie wird besser abgestimmt.
  • Psychologische Betreuung kann leichter eingebunden werden.
  • Hilfe im sozialen und beruflichen Umfeld kann gezielter organisiert werden.

Das übergeordnete Ziel lautet: Alle verfügbaren Ressourcen und Möglichkeiten sollen genutzt werden, um die bestmögliche Behandlung für Betroffene zu erreichen.